London calling...


Lange ist es her, dass ich in London war, insgesamt müssten es bereits neun Mal gewesen sein und auch diesmal freue ich mich wieder drauf. Das elitärste traditionsreichste Tennisturnier in Wimbledon wollten wir live miterleben. Ich kannte es schon aus meiner Zeit, als ich in Cambridge gelebt hatte, aber das war jetzt auch schon wieder fünf Jahre her.



Mario, Nicole und ich fuhren gemeinsam über die A3 in Richtung Frankfurt zum Flughafen. Unser Auto stellten wir in einem Parkhaus im Gallusviertel ab, wo ein Shuttlebus uns direkt zum Airport brachte. Unsere Lufthansa Maschine verspätete sich ein wenig, aber in Heathrow erwartete uns schon sehnsüchtig unser lieber Brandy mit einem Schild "Lieblinge" in der Hand. Schnell hebten wir noch alle ein paar Britische Pfund ab und dann ging es mit der Underground über Clapham, *ClapClap*, Tooting Bac *BackBack* nach Colliers Wood zu unserem Hotel. Im Holiday Inn Express waren wir in den nächsten vier Tagen in super zentraler Nähe zur Wimbledon Anlage untergebracht. Kurz frisch gemacht, spazieren wir vier durch die Stadt und finden ziemlich schnell einen super Burger Laden, in dem wir wunderschön wie in einem Schaufenster unseren "BREXIT" Burger genießen konnten. Brandy lief an dem Tag wieder zu Höchstform auf und unterhielt so ziemlich jeden, der an uns vorbeigelaufen ist.



Am nächsten Tag wollten wir uns die Quali für Wimbledon anschauen und fuhren mit dem Taxi ungefähr zehn Minuten zum Gelände. Leider standen hier heute gar keine Spiele an, also checkten wir schon mal die Lage, wo wir morgen früh uns anstellen müssen, um an die heißbegehrten Wimbledon Tickets zu gelangen. Hier standen tatsächlich schon Menschen an für den darauffolgenden Tickettag. Der absolute Wahnsinn, was die Leute hier alles mitmachen.

 

Wir entschieden uns , in die City zu fahren, um unseren Plan B, London Sightseeing, nachzugehen. Am Piccadilly Circus steigen wir aus und durchstöbern erst mal ein mehrstöckiges Sporthaus. Hier beginnt gerade der SALE und durch den BREXIT Skandal ist das britische Pfund so im Keller, dass sich das Shoppen für uns mega lohnt. Im Spielwarengeschäft Hamley's wurden wir alle vier noch mal zu Kindern. Vor allem zwei von uns, als ein Mitarbeiter das "My Mistery Ufo" um unsere Köpfe fliegen lässt. Wir gehen alle davon aus, dass dieses Ufo, was durch den ganzen Raum fliegt, irgendwie über Magnete gesteuert werden muss. Mario und Brandy sind total angetan, dass sich jeder ein Mystery Ufo kaufte. Nachdem wir uns am Piccadilly Circus mit Chiquita Bananen gestärkt hatten und auch meinen Lieblingsshop THE STING hinter uns gelassen hatten, suchten wir uns ein Pub, indem wir das EM Spiel Deutschland - Slowakei schauen konnten. Brandy hatte uns während des ganzen Spiel mit seinem My Mistery Ufo blendend unterhalten und packte seine magischen Kräfte aus, dass sogar unser britischer Nachbartisch aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Für alle die dieses Magische Ufo irgendwo fliegen sehen, staunt einfach wie ein Honigkuchenpferd aber belasst es dabei. Der Trick dabei ist so extrem simpel, dass es für so manch einen sehr enttäuschen sein kann, rauszufinden, was dahinter steckt, gell Jungs. Nach dem 3-0 Sieg für Deutschland kehren wir am späten Abend noch in ein Pub ein, in dem eine Band spielt. Allerdings ist die Musik so extrem laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Irgendwann kommt ein total durchgeknallter junger Mann auf uns zu. James erzählte uns seine ganze Lebensgeschichte und wir vier waren echt etwas geschockt, wie krass manche Briten auf Deutschland und Amerika zu sprechen sind und vor allem was so mancher schon alles erlebt hat. Etwas nachdenklich und gehen wir zurück ins Hotel und fallen dann irgendwann schlagskaputt in unser Bett. Übrigens so ne Verbindungstür zum Nachbarzimmer ist schon was Feines, wenn man sich so gut versteht.  Gute Nacht Lieblinge.



05:00 morgens Treffpunkt beim Frühstück, freiwillig im Urlaub so früh aufstehen, niemals. Heute steht Queuing ganz weit oben, was so viel bedeutet wie stundenlang für etwas Bestimmtes anstehen oder einfach gesagt, WARTEN. Das klappt übrigens nur in England und Australien, kann mir nicht vorstellen, dass hier in Deutschland die Menschen sich stundenlang an eine Reihenfolge halten würden. Wir fuhren ganz früh auf das Wimbledongelände um uns für unsere Tickets heute anzustellen. Brandy und Mario hatten im Vorfeld schon Tickets für den Court No. One gewonnen, aber so viel Glück hat ja nicht jeder, also mussten sie mit uns dadurch. Als wir an der Schlange ankamen, sahen wir schon einige die gestern morgen auch schon da waren und in Zelten übernachtet haben. Wenn ihr mich fragt, total verrückt. Also machen wir das Spiel mit und stellen uns an. Ich hatte meine Australian Open Decke mitgebracht, damit wir es uns gemütlich machen konnten. Durch leichten Nieselregen, war die aber ganz schnell durchnässt, sodass wir uns eine neue Picknickdecke kauften. Die war zumindest dicht und ihr Geld wert. Stundenlang lagen wir hier rum und vertrieben uns mit allem möglichen Scheiß die Zeit. Aber wie schon in Australien, als wir für die Silvester Nacht stundenlang anstanden, war hier alles mega gechillt. Neben uns die Gruppe hatten Beachspiele dabei, die wir uns ausliehen. (Ja Brandy du hast gefragt und ich hab dann damit gespielt.)

Dann ging es endlich los, die Menge packte ihre Sachen zusammen und wir waren startklar. Der Weg zum Tor of Wimbledon lag direkt vor uns und dann kam eine lustige Britin vorbei und fragte uns, ob wir Bändchen für den Court No. Two haben möchten. Klar haben wir die genommen, wie geil ist das denn? Überglücklich über Tickets und dann auch noch solche Tickets, gingen wir durch das Tor und den ganzen Weg, vorbei an Shops, Souvenierläden, Cafés und vielem mehr. Sogar Andy Murrays Bruder und Mutter trainierten auf einem Kleinfeld mit ganz vielen Kids und wir waren ganz nah dran. Jetzt mussten sich unsere Wege trennen, die Jungs mussten vom "wir stehen stundenlang an", an das Tor der "wir haben schon Tickets" und wir sind an die Kasse um unsere Armbänder einzulösen. Wir haben uns so doll darüber gefreut, dass wir total aufgedreht waren. Vor lauter Aufregung mussten wir erst mal auf Toilette, aber da war eine so unverschämt lange Schlange, dass es aussichtslos aussah. Ein netter alter Mann in Uniform zwinkerte uns zu und brachte uns zu Toiletten, an denen kein Einziger anstand, cooler alter Mann in Uniform, vielen Dank dafür!

Die Jungs haben wir ganz schnell wieder gefunden. Wir checkten die Spielpläne und verschafften uns erst mal einen Überblick. Dann machten wir uns auf den Weg zum Spiel von Sabine Lisicki.



Die Tribüne war gefüllt bis zum geht nicht mehr, sodass wir draußen blieben und auf Sabine Lisicki warteten. Von meinem letzten Wimbledon Besuch wusste ich wo sie ungefähr den Platz betreten muss und wir setzten uns also direkt davor auf eine Mauer und warteten. Da kommt sie im Schlepptau mit einem Bodyguard und Kopfhörern im Ohr. Wir empfangen sie mit Applaus und Standing Ovations. Ich strecke ihr die Hand zum Abklatschen aus und grinse sie an mit den Worten, "hau sie weg". Sie überlegt kurz, als ob sie denkt, ok die scheint ungefährlich zu sein, grinst und schlägt ein. Wir stehen noch für kurze Zeit neben der Tribüne und als ich relativ weit nach vorne komme, seh ich links von mir Barbara Rittner, wir schauen uns an und sie zwinkert mir zu. Fand ich cool, als ob wir uns schon ewig kennen. Naja immerhin hab ich sie ja schon vor fünf Jahren bei Wimbledon und letztes Jahr bei den Australian Open getroffen. Also wir kennen uns-FAST.



Ganz viele Tennisprofis haben wir gesehen unter anderen: Grigor Dimitrov, Simona Halep, Laura Siegmund, Madison Keys und Angelique Kerber. Außerdem durften wir Novak Djokovic beim Training zuschauen, wie er von Boris Becker hilfreiche Tipp bekommen hat. Das Wetter war an diesem Tag der absolute Knaller, zwar wechselten sich ständig Sonnenstrahlen mit Wolken ab, aber es hat nicht einmal geregnet. Wer Wimbledon in diesem Jahr etwas verfolgt hat, weiß dass von 14 Turniertagen, 13 davon total verregnet waren, somit hatten wir ausgesprochenes Glück und super viel Spaß. Kennt ihr eigentlich das Kultgetränk von Wimbledon? PIMMs, müsst ihr unbedingt mal probieren ich finde es mega lecker.

 

Als Nicole und ich alleine über die Anlage gezogen sind und die Jungs versucht haben auf den Platz von Monfils zu gelangen, schlenderten wir mittlerweile ziemlich müde vor uns her. Die Plätze überall waren mega überfüllt, dass man sehr schwer immer nur einen Sitzplatz erhaschen konnte. Auf einmal kommt ein älterer Mann auf uns zu und erzählt uns dass Roger Federer auf dem Center Court spielt. Ja gut das hatten wir ja auch schon mitbekommen, aber warum erzählt er uns das? Er hält uns Tickets vor die Nase und sagt, der erste Satz ist gerade rum und er geht jetzt nach Hause, wir könnten die Tickets gerne haben. Nicole und ich wussten gar nicht wie uns geschieht, ich glaube wir haben noch nicht einmal Danke gesagt, weil wir so überrascht und verblüfft waren. Wir sind losgerannt wie zwei aufgescheuchte Hühner in Richtung Center Court, nahmen unsere Plätze auf dem Oberrang ein und waren so was von glücklich und aufgeregt, dass es uns schwer fiel dem Spiel zu folgen. Das mussten wir erst mal den Jungs schreiben, die werden platzen vor Neid. Wir sahen ein super geiles spannendes Spiel und konnten wirklich unser Glück kaum fassen. Total aufgewühlt nach dem Match machen wir uns auf den Weg, die Jungs zu suchen. Ewig sind wir darum geirrt, dabei wollten wir denen doch so schnell es ging sagen, wie geil der Center Court war. Nach einer halben Ewigkeit endlich haben wir sie gefunden und freudestrahlend von unserem Glück erzählt. Tja die Jungs sind nicht doof, nach unserer SMS sind sie vor den Centercourt und haben eine Familie, die die Treppen runterkam gefragt, ob sie nach Hause fahren und ob sie ihre Karten bekommen könnten. Somit hatten sie das gleiche Glück wie wir, ihren absoluten Tennisidol Roger Federer anzufeuern. Nach so vielen Glücksgefühlen sind wir mit dem Taxi zurück ins Hotel und sind total erschlagen ins Bett gefallen. Morgen früh geht es zurück nach Hause.



Mit der Underground zum Heathrow Airport ist alles kein Problem, wenn man nicht irgendwann auf Toilette muss. Irgendwo auf der Strecke sind wir meinetwegen ausgestiegen, ich bin vom Gate in Richtung Bahnhofshalle, hatte allerdings nur noch wenige Cents in der Tasche. Mein Ticket musste ich zum Rausgehen in das Drehkreuz stecken. Dummerweise hat das Ding das Ticket aber nicht mehr rausgerückt, darum konnte ich mich aber jetzt nicht mehr kümmern, denn ich musste ganz ganz dringend. Da die Toiletten. Oh nein sie kosten 20 Pence, ungelogen, ich schaute in meine Tasche und hatte genau 20 Pence drin. Nachdem es mir dann wesentlich besser ging, musste ich mich um mein verschlucktes Ticket kümmern. Wie verklickere ich dem Typ das jetzt? Ich hab ihm einfach erzählt dass ich an den Airport muss und zwangsweise aussteigen musste. Er war total locker drauf, fragte mich nach meinem Namen, wo ich eingestiegen war und wo ich hinwill, dann schloss er den gefräßigen Automaten einfach auf, aber dadurch dass so viele Passagiere schon durch das Drehkreuz gelaufen sind, war mein Ticket nicht mehr zu finden. Er rief am Airport an und sagte Bescheid, dass ich komme. Ich bin ja mal gespannt, ob das klappt, ich muss ja auch am Flughafen wieder durch dieses Ding und ohne Ticket geht das nicht. Ich gehe zurück zu Mario, Brandy und Nicole und erzähle denen meine Story. Am Flughafen angekommen steht ein Mitarbeiter des Airports bereit, ich gehe auf ihn zu und er fragt mich genau die Fragen, die der Mann bei dem Ticketfressgerät auch gefragt hatte und lässt mich durch. Damit hatte ich nicht gerechnet, dass es wirklich klappt fand ich total cool. Brandy flog direkt neben unserem Gate zurück nach München und wir anderen drei hebten pünktlich ab nach Frankfurt.


Fazit:

London ist eine atemberaubende Stadt, die man ruhig auch mal ein zehntes Mal besuchen kann.

Wimbledon ist für Tennisliebhaber immer was ganz besonderes, wobei ich die Australien Open von der Atmosphäre noch geiler fand. Für das Anstehen für ein Ticket sollte man früh genug aufstehen, auf jeden Fall sollte man um 5:30 auf der Anlage sein, um sich anzustellen. Das Anstellen an sich ist in netter Gesellschaft einfach schon ein Highlight und gar nicht so tragisch. Es gehört einfach dazu. Die Spiele sind teilweise zum Anfassen wie auf normalen Tennisplätzen, zumindest die Außenplätze, von denen ich ein riesen Fan bin. Das Undergroundnetz von London finde ich immer noch das Einfachste und Sinnergebenste was ich je gefahren bin, SALE in UK ist immer eine prima Sache, Nike Schuhe gehen immer. Das Frühstück ist eine Katastrophe, PIMMs ist das leckerste Getränk der Briten und das Wetter ist immer so wie man es nie erwartet. Ich möchte auf jeden Fall noch zu den French Open und den US Open. Wenn jemand Erfahrungen hat wie man am besten an Tickets kommt, lasst es mich wissen. Danke für dieses wunderschöne Wochenende, bis zum nächsten Mal, London calling ...


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